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Zwei Schussunfälle ereignete sich Anfang November bei Treibjagden in der Steiermark. Im Bezirk Feldbach wurde ein 33-jähriger Jäger von einer für einen Fuchs bestimmten Schrotladung getroffen und unbestimmten Grades verletzt; im Bezirk Hartberg stürzte ein Weidmann so fachgerecht, dass er selbst seine Flinte auslöste und sich zwei Finger wegschoss.

Der Zwischenfall hatte sich Samstagnachmittag im Bezirk Feldbach abgespielt. Im Zuge einer Treibjagd auf einen Fuchs wurde der ÖVP-Bürgermeister der Gemeinde, Helmut M. (33), von einen Teil einer Schrotladung eines laut Gendarmerie zunächst nicht bekannten Jagdteilnehmers getroffen und in das LKH Graz eingeliefert.

Der zweite Unfall hatte sich am Samstag zu Mittag im Bezirk Hartberg zugetragen. Der 61-jährige Jäger Dominikus R. aus Pöllau war bei einer Treibjagd ausgerutscht. Dabei griff er im Fallen geistesgegenwärtig mit der rechten Hand auf den Lauf seiner über die Schulter gehängten Bockdoppellaufflinte. Beim Aufprall des Gewehrkolbens auf einem Stein löste sich ein Schuss. R. wurde der Zeige- und der Mittelfinger der rechten Hand weggeschossen.

Die Gendarmerie von Eisenstadt hat nun dank unermüdlicher polizeilicher Ermittlungsarbeiten jene TäterInnen ausgeforscht, die sich in Neusiedl am See zu Halloween radikalökologisch betätigt hatten. Eine kleine autonome Zelle von zwei militanten Umweltschützern, elf und zwölf Jahre alt, hatten Nagelbretter unter parkende Autos gelegt. Die Platten waren so gezielt deponiert worden, dass beim Wegfahren die Reifen zerstochen worden wären, wollen die Sachverständigen der Gendarmerie herausgefunden haben. Die zwei Nachwuchsaktivisten waren in der Nacht vor Allerheiligen, wie es der Halloween-Tradition entspricht, von Tür zu Tür gegangen, und hatten um Süßigkeiten gebeten. Dort, wo ihnen nicht geöffnet wurde, legten sie kurzerhand eines dieser Nagelbrätter unter die Reifen des jeweils vor dem Haus geparkten Autos. Da die Platten von einem/r AutobesitzerIn rechtzeitig entdeckt wurden, konnten die Anschläge jedoch noch in letzter Sekunde verhindert werden.

Mit blanken Unverständnis steht einE VeranstalterIn von Motorradrennen einer Kampagne von AnrainerInnen gegenüber. In den vergangenen Monaten kam es zu einer Reihe von direkten Aktionen, mit deren Hilfe die GegnerInnen den seit 1998 in der Gemeinde Techelsberg am Wörthersee abgehaltenen Motorsport-Terror zu Leibe rücken wollen. Ob im kommenden Jahr wieder Rennen ausgetragen werden, ist dabei ungewiss. Nachdem schon eine Unterschriftenliste von um ihre Lebensqualität beeinträchtigten AnrainerInnen gegen den Motorrad-Irrsinn nicht viel Erfolg verbuchen konnte, wird die Liste der mitunter recht originellen Aktionen gegen die UmweltverpesterInnen nun immer länger.

So seien während der Rennveranstaltungen die Ordnungskräfte wüstest beschimpft und zwei Mal ein Stier losgebunden worden. In den vergangenen Wochen hätten sich solcherlei Zwischenfälle gehäuft. Dutzende anonyme Telefonanrufe, wobei sich die um ihre Ruhe und Gesundheit besorgten AnrainerInnen unter anderem als GendarmInnen ausgegeben hätten, sorgten bei den MotorradraserInnen wohl nicht gerade für eine ungetrübte Nachtruhe. Auch seien Blumen und Topfpflanzen auf dem Anwesen mit Hilfe von "Kinder-Juxsprays" verunziert und bei den Hauseingängen rohe Eier zerschlagen worden. Zuletzt wurden in des Nächtens auch schon mal Fenster- und Türscheiben zertrümmert.

Auf Grund dieser militanten Kampagne scheint der Veranstaltung nun das Aus zu drohen. Der VP-Bürgermeister der Gemeinde Techelsberg, Franz Lerchbaumer, hat bereits schriftlich wissen lassen, dass im kommenden Jahr keine Rennen mehr durchgeführt werden dürften.

Ein 43-jähriger Tierarzt aus Wien wird seine letzte Radtour wohl nicht so schnell wieder vergessen. Er sei, nachdem er mit einem Rad bei Rot in eine Kreuzung eingefahren war, von einer Funkstreife beschimpft, vom Fahrrad gerissen, ins Gesicht geschlagen und schließlich in Handschellen abgeführt worden. Im einschlägigen Amtsdeutsch der Wiener Polizei stellt sich die Sachlage naturgemäß anders dar: Der Radfahrer habe trotz "sichtbarer Haltezeichen" versucht, sich der Anhaltung zu entziehen und sei "am Randstein zu Sturz gekommen". Da "gemeingefährliches Verhalten nicht ausgeschlossen werden konnte", mussten einfach nach dem "Sturz" - fast versteht es sich ja auch von selbst – auch die "Handfesseln" her.

Am Montag, dem 5. November 2001 verstarb der Tierbefreiungsaktivist Barry Horne an Leberversagen in Folge eines neuerlichen Hungerstreiks. Mit Horne starb einer der wichtigsten ExponentInnen der radikalen Tierrechtsbewegung in Großbritannien. 1988 wurde Barry Horne wegen dem versuchten Diebstahl eines Delphins aus dem Delphinarium Marineland in Morecambe, Nordwest-England, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Drei Jahre später wurde er wegen dem illegalen Besitz von Zeitzündern zu weiteren 3 Jahren verurteilt. Das letzte Mal wurde Barry Ende 1997 zu achtzehn Jahren Haft verurteilt. Er war für Schuldig gesprochen worden, eine Serie von Brandanschlägen auf Tierausbeutungsfirmen begangen zu haben. Seit 1997 war Barry viermal im Hungerstreik um auf die Labour-Regierung Druck auszuüben, endliche ihre Wahlversprechen einzulösen und eine Untersuchungskommission für Tierversuche zu errichtet, sowie Versuche für Kosmetika sofort zu verbieten. Horne hatte sich vom längsten dieser Hungerstreiks, er dauerte 68 Tage, bis zu seinem Tod nie mehr erholt.

Großaktion der Polizei in Wien. "Bei Streifen wird im Bereich von Wirtshäusern vermehrt achtgegeben", erklärte jüngst Gert Zander, der Chef des Stapo. Vor drei Jahren hat ein "Kommando Konrad Lorenz" Buttersäureattentate auf acht Wiener Restaurants verübt, die Martinigansl auf ihrer Speisekarte hatten. Der Schaden ging angeblich in die Millionen. "Ausmitteln", gesteht Zander, "konnten wir die Straftäter nie". Verdächtigungen "amtsbekannter Organisationen aus der militanten Tierschützerszene" erwiesen sich als unbegründet.

"Natürlich können wir nicht jedes Gasthaus überwachen", meint Zander zu einer erneut von ihm geleiteten Großoperation.

Am 5. Nov. spazierte eine Aktivistin ungehindert in ein Laborgebäude von Huntingdon Life Sciences in England und verbarrikadierte sich in einem Büro. Angestellte baten sie darum, dieses wieder zu verlassen, was sie ablehnte. Die Polizei brauchte drei Strunden, um sie zu entfernen, indem sie eine Gebäudewand einriß.

Am 1. Nov. genügten lediglich vier AktivistInnen in Bournemouth (Südengland), um die Niederlassung der Investmentbank J.P. Morgan zum Stillstand zu bringen. Einer der vier erklärte einfach dem Portier, weshalb J.P. Morgan Ziel von Aktionen ist, nämlich weil sie Aktien von HLS halten. Als der Portier geantwortet hatte, daß es keinen Ansprechpartner gäbe, verließ der Aktivist das Gebäude.

Daraufhin verrammelten Sicherheitsleute panisch alle Türen, alle die das Gebäude verließen, mußten zum Hinterausgang raus. Zur Arbeit kommende Angestellte mußten teilweise über Zäune klettern. Während des ganzen Tages legte sich die J.P. Morgan Niederlassung selbst lahm, obwohl die vier brav vor dem Firmengelände herumstanden und keine Taten setzten.

aus TATblatt Nr. +177 vom 15. November 2001

 
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