TATblatt Blick ins Grüne
Kurzmeldungen Ökologie

 

Atomboom
 

Österreich wird einer der Hauptabnehmer für Atomstrom aus Temelin, das eben mit Brennstäben beladen wurde, sein. Das ach so atomfreie Österreich ist aber auch schon jetzt Großabnehmer der tschechischen Energiegesellschaft CEZ, und damit auch aus dem AKW Dukovany.

Und überhaupt pfeift die österreichische E-Wirtschaft auf alle ihre blöden Propagandasprüche (Wasserkraft statt Atomstrom usw.), die noch vor wenigen Jahren zur Durchsetzung von sinnlosen Kraftwerksbauten wie der Staustufe Wien dienen mußten. Die Wienstrom der Gemeinde Wien bezieht zu über 10% Atomstrom von der französischen EdF, um nur ein Beispiel zu nennen. Politisch interessant ist, daß in den Aufsichtsräten nach wie vor die LandespolitikerInnen den Ton angeben, während die Länder ansonsten auf Anti-Atom-Protest zur Beruhigung der Gemüter spielen.
 

Stronach illegal?
 

Der Milliardär Frank Stronach hält sich zwar legal im Land auf, was bei Milliardären von Österreich gerne geduldet wird, steht aber in Umweltschutzangelegenheiten im Verdacht, Rechtsbruch zu begehen. Anlaßfall ist ein geplanter Pferdesportpark in Niederösterreich. Das Gelände soll entwässert werden, was Stronach im April in Angriff nehmen ließ, indem Drainagegräben angelegt wurden, obwohl ein Naturschutzbescheid der Bezirkshauptmannschaft Baden dies verbietet. Die Plattform "SOS Lebensraum Süd", ein Zusammenschluß von durch diverse Projekte genervten BürgerInnen im Süden Wiens, ist empört, weil die BH trotz Kenntnis dieses Umstandes keinen Finger rührt und wirft der BH Rechtsbruch und Amtsmißbrauch vor. Der Bezirkshauptmann von Baden, Helmut Leiss, ist empört: "Amtsmißbrauch - das ist Unsinn. Wir müssen prüfen."
Genau. Und das braucht seine Zeit.
 

Aus für Schweinezucht
 

Noch bevor es begann ist es für den Betreiber auch schon wieder zu Ende. In Harland-Altmannsdorf bei St. Pölten hätte eine Schweineintensivzucht entstehen sollen, gegen die es eine Koalition von TierschützerInnen und direkt betroffenen OrtsbewohnerInnen geschafft haben, das Projekt zu kippen. Dabei hatte das Land Niederösterreich dem Betreiber so schön die Latte gelegt, indem es zur Erleichterung zugelassen hatte, daß der Betreiber das Projekt planerisch in zwei geteilt und damit für jedes einzelne die Mindestgröße für eine Umweltverträglichkeitsprüfung unterschritten hatte. Rechtsstaat ist eben etwas Relatives in Niederösterreich. Trotzdem zogen die Betreiber nun wegen absehbarer Wickel sämtliche Ansuchen zurück und gaben auf.
 

Schwärmende Bienen
 

Ende Juni haben 20.000 Bienen den Ort Llanelli in Wales für eine Stunde lahmgelegt. KäuferInnen suchten fluchtartig das Weite, als die Bienen durchs Ortszentrum schwärmten. Dann rückte die Polizei aus und "versuchte den Schwarm zu beruhigen und aus dem Ortszentrum zu leiten", so die Ortsverwaltung.

Bei sehr warmem Wetter machen sich Bienen häufig samt einer Königin, der sie folgen, auf, um sich einen neuen passenden Lebensort zu suchen. Sie können mehr als 25 Kilometer wandern. Späherinnen fliegen stets voraus und suchen nach passenden Orten. Wenn dieser gefunden ist, dann bilden die Bienen einen dichten Ball.
 

Einstein, die Ratte
 

Tore Fauske, ein Pensionist aus England, hat mit einer Ratte, die er selbst wegen deren Intelligenz Einstein nennt, ein Problem. Ende Juni kehrte die Ratte wieder einmal zu seinem Haus zurück, nachdem er sie gefangen und drei Kilometer weiter im Wald ausgesetzt hatte.

Zuerst ließ sich Einstein monatelang nicht fangen, berichtet Fauske. Erst mit einem Marsriegel konnte Fauske Einstein, der überall im Haus Löcher genagt hatte, in die Lebendfalle locken. Ein erster Aussetzungsversuch einen halben Kilometer entfernt scheiterte kläglich, Einstein war noch am selben Abend wieder zurück. 13 Mal konnte Einstein in der Folge den Köder schnappen, ohne in die Falle zu gehen. Dann wurde er wieder gefangen und ausgesetzt, kam aber eben wieder zurück.

"Ich könnte Gift auslegen, aber es ist nicht fair zu schummeln", meinte Mr. Fauske zu einem Korrespondenten der Tageszeitung The Times. "Das ist ein Kampf des Geistes - ich werde nicht durch ein Nagetier ausgetrickst, und ich werde gewinnen. Ich hoffe, daß er eines Tages hungrig genug sein wird,, den Köder zu schnappen". Dann soll er noch weiter weg ausgesetzt werden.
 

Ratten übernehmen New York
 

In New York gibt es seit dem Modernisierungsboom von Bürgermeister Giuliani eine Rattenexplosion. Das Verhältnis von Ratten zu Menschen beträgt nun neun zu eins. Sie belagern sogar schon das Rathaus und laufen durch die Amtsräume des Bürgermeisters, sind deutlich fetter als in den Jahren zuvor und laufen jetzt auch am Tag herum.

Ursache sind Umbauten von kommunalen Einrichtungen, insbesondere der Bauboom unter Giuliani, der Ratten bessere Lebensbedingungen verschafft hat. Insgesamt gibt es nun 70 Millionen Ratten in der Stadt, das sind doppelt so viele wie zehn Jahre davor.

Das Rathaus hat nun eine eigene Telefonnummer eingerichtet, wobei allerdings eingeschränkt wird, daß nicht wegen einer Ratte, sondern nur "wegen Ratten in Mengen" angerufen werden sollte.

Interessant ist aber, daß zugleich die Beschwerden wegen Ratten drastisch abgenommen haben. Als Maßnahme wurde das Rattenbekämpfungsbudget seit 1995 auf heuer 130 Millionen Schilling verdreifacht. Im September wird ein eigenes Seminar an der Columbia University zum Thema stattfinden.

Demnächst soll es auch eine Exkursion in die Bundeshauptstadt Washington D.C. gegen, die seit dem Vorjahr ein Rattenvernichtungsprogramm durchführt. Trotz zahlreicher Maßnahmen, um insbesondere die Nahrungsmittelbasis zu verknappen, war der Erfolg dort bisher jedoch gleich Null.
 

Wien im Fluglärm
 

In Wien nehmen die Proteste gegen starken Fluglärm zu. Bei manchen Wetterlagen fliegen Flugzeuge im Tiefflug über die Bezirke 14, 15, 4, 5, 10 und angrenzende zum Flughafen.

Die absehbare Verschärfung könnte eine geplante zusätzliche Rollbahn bringen. Immerhin ist in wenigen Jahren eine Verdoppelung der Flugaktivitäten in Schwechat geplant.

Die Stadt Wien stellt sich taub, was bei den dortigen PolitikerInnen keine große Kunst nicht ist. Die Stadt könne als Behörde keinen Einfluß nehmen, und damit hat sichs.

Gleichzeitig ist die Stadt Wien aber Miteigentümer am Flughafen, und geht es nach BürokratInnen wie der Finanzstadträtin Ederer (SPÖ), dann soll der Anteil am Flughafen sogar noch aufgestockt werden, weil die Stadt Wien sich dafür eine Rücklage von 780 Millionen Schilling aufgespart hat.

Insofern ist die Stadt Wien als Behörde zwar machtlos, als Miteigentümerin aber begeistert über zunehmenden Fluglärm.
 

Britische Blutsportarten
 

Das Versprechen der Labour Party vor den Wahlen, die Fuchsjagd in Großbritannien gänzlich zu verbieten, bringt die Jagdlobby ordentlich in Zugzwang. Um ein Verbot abzuwenden haben Jagdverbände nun angeboten, daß "Hare Coursing", wo lebende Hasen auf einer Rennbahn von Greyhounds zu Tode gehetzt werden, Hirsch- und Rehjagden und eine barbarische Sitte namens "beagling" verboten werden können, wenn dafür die Fuchsjagd erlaubt bleibt.

Im Parlament gibt es eine überwiegende Mehrheit von Abgeordneten, die einen Gesetzesentwurf für ein Verbot jeder Jagd mit Hunden unterstützen. Nur in der Regierung sabotieren die Mehrzahl der MinisterInnen ein solches Gesetz. Insbesondere Außenminister Robin Cook agiert als Jagdbefürworter, was nur einer seiner Missetaten ist. Schließlich findet er auch trotz einer angeblichen "ethischen Außenpolitik" der Labour-Regierung weder etwas an der von ihm mitbetriebenen Rückkehr von Diktator Pinochet nach Chile, noch an Waffenexporten in kriegsführende Staaten oder am Export von Folterkammern in Länder wie Saudi-Arabien.

aus TATblatt +153, S. 7, 11
 
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