TATblatt TATblatt Schwerpunktnummer +147/148/149
global.action
gegen iwf und weltbank

Intro

Während diese Nummer langsam aber doch fertig wird, sind die Proteste gegen das Weltwirtschaftsforum in Melbourne (Australien) im Ausklingen. Der Widerstand gegen Kapitalismus und Institutionen, die weltweit den Prozess der Globalisierung vorantreiben, ist wieder zu einem Thema geworden. Mit dem jährlichen Herbsttreffen von IWF und Weltbank verlagert sich der zentrale Ort des globalen Widerstandes in die Nähe Österreichs. Zum ersten Mal in der Geschichte der Institutionen findet dieses Treffen in einem osteuropäischen Land statt - nicht ohne Grund: Der "Sieg des Kapitalismus über den Kommunismus" wird zelebriert. In letzter Zeit kam es immer öfter vor, dass Treffen wie jenes in Prag vom 26. bis 28. September mit weltweitem Widerstand konfrontiert werden. Alle Leute sind aufgerufen, sich an den Aktivitäten zu beteiligen: in Prag und anderswo.

Die vorliegende Schwerpunktnummer des TATblatt soll - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - einen Einblick in die Kämpfe der letzten Jahre, sowie die Aktivitäten rund um den Widerstand in Prag und anderswo geben. Sie kann als Werkzeug gelesen werden, mit praktischen Anknüpfungspunkten und Anstößen für eine inhaltliche Auseinandersetzung und Diskussionen.

Vielleicht fragen sich viele, warum gerade in Zeiten einer blau/schwarzen Regierung eine Broschüre zum globalen Widerstand erscheint: Der "Freispruch für Österreich", von dem in den letzten Tagen, Wochen und Monaten immer öfter zu hören war, ist eigentlich nicht überraschend. Ohne die Rolle der FPÖ verharmlosen zu wollen, folgt die Politik der "neuen" Regierung doch den Gesetzen der Marktwirtschaft: Deregulierung, Liberalisierung, Privatisierungen, Abbau von Sozialleistungen, ... sind nur einige Schlagwörter, die dazu einfallen. Der Widerstand in Österreich richtet sich jedoch hauptsächlich gegen ein Thema: "Keine Koalition mit dem Rassismus". Rassismus wird oft auf die Politik der FPÖ reduziert, institutionalisierter Rassismus und seine Praktiken werden von der Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert. Diese Praktiken sind mittlerweile zu einer Grundlage der europäischen Abschottungspolitik und ein Exportschlager Richtung Osten geworden.

Vorliegende Broschüre kann in diesem Sinne als Fortführung der TATblatt Flucht.Hilfe-Schwerpunktnummer gelesen werden, wenngleich sie sich nicht direkt mit Einschränkungen von Migration und Gegenmaßnahmen befasst. Untrennbar mit der Ideologie der Globalisierung verbunden, ist die Einschränkung von Mobilität für sehr viele Menschen. Während immer mehr Waren quer über den Globus in Einzelteilen gefertigt werden - immer auf der Suche nach dem billigsten Produktionsstandort - wird jenen Menschen, die diese Waren produzieren, der Weg, den ihre Produkte machen verwährt. Vielen Menschen in den "Metropolen", die überall auf der Welt entstehen, wird durch Billigstproduktion und die Arbeit von Frauen Wohlstand nach westlichen Werten erst ermöglicht.

Der Widerstand in den reichen Ländern des Nordens und Westens sollte immer die eigene Privilegierung im Auge behalten. Die Perspektive, aus der Forderungen gestellt werden, reflektiert nicht immer, wem diese wirklich nutzen. Es gilt, die eigene Position in Frage zu stellen und sich mit den Kämpfen in anderen Teilen der Welt zu solidarisieren. In Zeiten der Globalisierung sollten auch die Kämpfe dagegen globalisiert werden.

Eine Reflektion der Bündnisse, die eingegangen werden, darf nicht fehlen: Wem nützen die Veränderungen und welche Ziele werden verfolgt? Was ändert eine Demokratisierung der Strukturen von IWF und Weltbank? Diese Institutionen wurde geschaffen, um Interessen zu sichern. Ziel ist, die Welt zu regulieren. Im Wege stehende Lebensformen werden kriminalisiert oder unmöglich gemacht. Aus linker Sicht gibt es keine Alternative zu IWF und Weltbank: Statt die Strukturen zu reformieren und somit zu stabilisieren, gilt es das System an sich in Frage zu stellen. Der vielfältige Widerstand gegen globalen Kapitalismus erschöpft sich nicht in "Entwicklungszusammenarbeit", sondern zielt auf grundsätzliche Änderungen der herrschenden Zustände ab.

Weltweit organisieren sich die Menschen selbstbestimmt und (weitgehend) ohne Hierarchien. Das Lesen dieser Broschüre soll auch Kraft und Hoffnung geben, sich selbst als Teil dieser Bewegung zu sehen und aktiv zu werden. Prag ist nur ein Schritt in diesem Kampf - weitere Schritte werden und müssen folgen.
 
 

Bedanken wollen wir uns bei allen, die zum Gelingen dieser Schwerpunktnummer beigetragen haben:

die Redaktion der Schweizer Zeitschrift "megafon" und die Clean-Clothes-Kampagne stellten uns Beiträge zur Verfügung, die Illustrationen stammen von Fish Illustrated; einige Leuten verfassten Artikel oder halfen bei Druck und Versand; INPEG und andere versorgten uns mit Informationen; die Leute vom EKH erwiesen sich einmal mehr als sehr gastfreundlich; sehr viele sind Teil des weltweiten Widerstandes, ohne dem ihr vorliegendes Heft jetzt nicht lesen würdet.
 
 

Weitere Informationen und Kontaktadressen findet ihr am Ende dieser Ausgabe. Besonders verweisen wollen wir auf die Webpage: www.no-racism.net/s26

Für weitere Fragen bezüglich der Proteste in Prag wendet euch an die Email-Adresse: gotos26@gmx.net.
 

aus dem Inhalt:
(nicht verlinkte Artikel gibt es nur in der Papierausgabe)
 
 

go to prague, september 26

S 11 -globaler Aktionstag gegen das Weltwirtschaftsforum

Kann Prag zu Seattle werden?

Einreise und Aufenthalt in Tschechien

Organisierung über Bezugsgruppen

S26- globaler Aktionstag gegen den Kapitalismus

Globaler Widerstand gegen Kapitalismus

Eine Kurzgeschichte mit Ausblick

Was ist die PGA?

Von Seattle bis Los Angeles
Die Widerstandsbewegungen in den USA

abgrenzen nach rechts! aber wie?

Wer ist wer im internationalen Finanzgeschäft?

Weltbank geheim

Österreichs Erbe in Thailand

Fabriken für den Weltmarkt
Globalisierte Produktion und strukturelle Armut

Wo steigt die Party?
McDonald's und Sweatshops

Reproduktion der Geschlechterverhältnisse
Arbeits- und Lebensbedingungen in Mexicos Maquiladoras

Feminisierung der Beschäftigung
Arbeitsbedingungen, Widerstand und Organisationsformen
von Frauen in den Exportproduktionszonen

Clean Clothes Kampagne für faire Arbeitsbedingungen weltweit

Kleiderfirmen auf der Anklagebank

Peasant Womens Struggle for Land and Emancipation in Bangladesh

Beispiel Bulgarien: Abwicklung und neue Abhängigkeiten

Tschechien vor dem IWF-Gipfel
Privatisierungen, deutsches Kapital und Lob vom IWF

IWF und Weltbank in der Slowakischen Republik

The Main Factor of Peace and Stability in the Balkans

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